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Neuanfang

Ein Beitrag von P. Willi Lambert, Familienfest, Dezember 2014, aus dem Rundbrief der Schwestern von der heiligen Familie, Nr. 37, Dezember 2014, 5f.

Eine ruhige Woche in Ambach war schon in meinem Kalender eingeplant und dann kam noch die Einladung zum Jubiläumsfest der Familienschwestern dazu. Günstiger konnte es sich nicht zusammenfügen. Da ich während der letzten 10 Jahre öfters die weihnachtlichen und österlichen Liturgien mitfeiern durfte, hat mich dieses Zusammentreffen besonders gefreut. Schw. Alexia, die das „miteinander“ komponiert, bat mich, einige Eindrücke und Gedanken zu schreiben, die mir bei der Feier kamen. Hier sind sie:

Und er stellte ein Kind in die Mitte

Bei der Festrede von Alois Glück über die Situation der Familien und Kinder, blieb mir vor allem die Schlusspassage im Gedächtnis. Er sprach davon, dass etwa jedes fünfte Kind in den schulischen Institutionen schwerere Verhaltensstörungen habe. Oft machen sie der Klasse und dem Lehrpersonal ein sinnvolles Zusammensein und Lernen mehr als schwierig.

Glück fragte: Sehen wir diese Not? Lassen wir uns von ihr herausfordern? Fragen wir, was Kinder wirklich brauchen? Oder besteht unsere Pädagogik hauptsächlich darin, sie möglichst bald zu Erwachsenen „nach unserem Bild und Gleichnis“ zu machen? Fragen wir zu wenig, was das Kind wirklich braucht zum Kindsein? Beim Zuhören fiel mir ein neueres kleines Büchlein von meinem Mitbruder Josef Bill ein, das vor kurzem in der Reihe „Ignatianische Impulse“ im Echter-Verlag veröffentlicht wurde. Der Titel sagt das Entscheidende: „Und er stellte ein Kind in die Mitte. Der Lebenskompass Jesu.“ Auf die Frage hin, was zu unvergänglicher Lebendigkeit und Lebensfülle hinführe, hebt Jesus nicht zwei Steintafeln empor, sondern zeigt auf ein Kind: Von dem lernt für Euer Erwachsenen-Leben! Vieles, wenn man genau hinschaut, kann man von Kindern lernen. Vor allem, eine ich, ist eines die Botschaft aller Kinder dieser Welt: Der Mensch kann nur aus und in Beziehung leben! Wenn dies so ist, dann ist die wichtigste Frage: Wie können wir Beziehungen so leben, dass sie Leben schenken? Heißt dann Liebe nicht: „Interesse am Wachstum des andern“ und auch, wie Ignatius sagt: „Die Liebe besteht im Mitteilen/Kommunizieren von beiden Seiten.“ – Danke dafür, dass wir im Blick auf die Geschichte Ihrer Gemeinschaft die Sorge um Kinder und Familien, um Menschsein und Menschwerdung so lebendig dargestellt, gelebt und vorgelebt bekamen!

Aufgeben als Auf-Gabe

In der wohlgelungenen Festschrift gibt es auf Seite 58 eine Tabelle mit der Überschrift „Eigene Häuser“. Darunter, bei „Haus Ambach“ heißt es:

Schwesternerholungsheim - Begonnen August 1923 - Aufgegeben 2012.

Als ich das las musste ich denken: Ja, den Beginn habe ich nicht miterlebt, wohl aber die Früchte des Beginnes immer wieder dort genossen. Und mir kam: Das „Aufgeben“ war nicht nur wie man ein verlorenes Spiel aufgibt oder ein Unternehmen, weil es bankrott macht. Es war eine Aufgabe – so bekomme ich das mit – die eine Übergabe war, die zur Aufgabe wurde. Vieles was ich und viele andere als Vorgabe aus der Vergangenheit miterleben durften - die Gastlichkeit, die familiäre Atmosphäre, die Verbundenheit mit den Menschen in der Gegend, natürlich das 5. Evangelium des Naturerlebens, die geistliche Ausstrahlung durch die Familienschwestern allein durch ihre Anwesenheit, aber auch manches gute Wort und Gespräch – all dies wird auf vielfache Weise weitergeführt durch die einmal sogenannten „neuen freien Schwestern“ der kleinen Gemeinschaft „Comunitas Jesu“. Weiter-geführt, nicht nur „eben irgendwie weitergemacht“.

Das große Geschenk von Stille, Ruhe, Naturschönheit, Erholung wird in wachsendem Umfang angeboten für Menschen, die ausgebrannt sind, die einfach ein paar Tage Stille oder begleitende geistliche und lebensberatende Gespräche brauchen. Das Wort „Gesundung“ ist bewusst in die Ausschreibung der Angebote aufgenommen worden. Und gemeint ist damit – wie immer im Evangelium – leibliche, seelische und geistliche Heilung und Heiligung. Die Dankbarkeit und Verbundenheit mit Leuten aus der Umgebung hat sich fast nahtlos auf die „Nachfolgerinnen“ übertragen – zum gegenseitigen Nutzen. Wohlwollen und Mithilfe von der einen Seite, Weiterführung der Krankengottesdienste im Haus und darüber hinaus in manchen Kirchen der Umgebung die Feier von Wortgottesdiensten; ein Angebot, das gerne angenommen wird und für die jetzige und mehr noch kommende kirchliche Situation bedeutsam ist. ...

Wenn Ambach 2012 „aufgegeben“ wurde und seitdem weitergeführt wird, dann bedeutet dies weniger die Anwesenheit von neuen „Führungskräften“, sondern von Menschen, die Ausschau halten wie sie geführt werden.

Willi Lambert SJ

Wir sind eine ignatianische Gemeinschaft.

Zu unserer Spiritualität gehört ein einfacher Lebensstil, das tägliche Hören auf Gottes Wort, im Gottesdienst, im Alltag, im Gebet, in der Gastfreundschaft, in den täglichen Begegnungen und der Arbeit.

Unsere Gemeinschaft trägt den Namen IHS*, ein altes christliches Logo. Und darum geht es uns: Jesus Christus nachfolgen mit unserem Leben.

Zur Zeit leben wir zu viert in der Communität. Wer sich uns anschließen möchte, oder eine Zeitlang mitleben möchte, ist herzlich willkommen.

* IHS nach dem Franziskaner Bernhardin von Siena (1380-1444) ein altes Christus-Monogramm

Impressionen

Ein paar Bildeindrücke von unserem Haus und der Umgebung:

Weitere Bilder finden Sie in der Galerie.